Fair Trade Blog

Die Faire Woche, die größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland, findet in diesem Jahr zum elften Mal statt. Vom 14. bis 28. September 2012 werden bundesweit wieder mehrere tausend Veranstaltungen zum Thema Fairer Handel stattfinden – angefangen von Produktverköstigungen über Faire Feste, Infoveranstaltungen bis hin zu Aktionen in Rathäusern, Schulen und Kindergärten. Und auch dieses Jahr ist Karlsruhe wieder aktiv mit dabei!

Zum vierten Mal schon beteiligt sich die Stadt Karlsruhe, die mittlerweile seit zwei Jahren Fair Trade Town ist, mit zahlreichen Aktivitäten an der Fairen Woche. Dabei ist in diesem Jahr der Aktionszeitrahmen für die Faire Woche in Karlsruhe bewusst länger gefasst (von Anfang September bis Ende Oktober). Die Organisatoren der Karlsruher Fairen Woche, das Agendabüro und der Weltladen Karlsruhe, wollten damit erreichen, dass mehr Veranstaltungen aufgenommen werden können, die inhaltlich zwar zur Fairen Woche gehören, aber nicht in den engen Zeitrahmen von zwei Wochen passen.


Kleidung aus Bio-Baumwolle erlebt zur Zeit einen Boom. Längst ist uns bewusst geworden, dass wir billige Kleidung mit unserer Gesundheit bezahlen. Vielleicht erahnen wir inzwischen auch die Kosten, die durch ein Ungleichgewicht unseres ökologischen Systems auf uns zukommen. Nun sind wir aber nicht nur Teil eines ökologischen Systems, sondern auch eines sozialen. Was passiert, wenn dieses aus dem Gleichgewicht gerät?

Erst 0,1 Prozent der in Indien hergestellten Baumwolle entsteht unter fair-trade-Bedingungen. Aufgrund des Kostendrucks und der Gewinnorientierung ist davon auszugehen, dass der Rest zum größten Teil unfair hergestellt wird und damit das Gleichgewicht unseres sozialen Systems bedroht. Tröstlich ist jedoch, dass diese Bedrohung nur den kleinen Teil des Systems betrifft, der vom bestehen Zusand des Systems profitiert.

Die folgende Reportage begleitet Ajay Rastogi bei seinem Kontrollbesuch der indischen fairtrade Baumwollproduktion und beobachtet ihn bei seinem Versuch, bei jedem Produktionsschritt umweltschonende, gerechte und nachhaltige Bedingungen herzustellen.


Die vergangenen Jahre waren für viele in Kooperativen organisierte Kleinbauern auf Mauritius schwierig. Der Zuckerpreis fiel innerhalb von drei Jahren bis Ende 2010 um 36 Prozent, was für viele der Farmer eine existenzielle Bedrohung darstellte. Mauritius ist einer der bedeutendsten afrikanischen Zuckerexporteure, ein Großteil davon wird in die Europäische Union geliefert.

Aus der finanziellen Not heraus begannen viele Bauern damit, ihre Produkte Fairtrade zu produzieren und zu verkaufen, um auf diese Weise höhere Preise zu erzielen. Mit dem fair gehandelten Zucker konnten sie 585 US-Dollar pro Tonne verdienen, verglichen zu den 525 US-Dollar für Zucker aus herkömmlicher Produktion. In Europa und den Vereinigten Staaten sind viele Menschen bereit, einen höheren Preis für fair gehandelte Waren zu zahlen, da sie durch die Zertifizierung davon ausgehen können, dass sie ein qualitativ einwandfreies Produkt erhalten, das ohne den Einsatz von chemischen Düngemitteln hergestellt wurde und somit ressourcensparend sowie -schonend ist.

Aber nicht nur der ökologische Faktor spielt bei der Fairtrade-Produktion eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus stellt das Siegel auch soziale und ökonomische Standards auf internationalem Niveau sicher. Die Kleinbauern profitieren davon, dass ein höherer Anteil des Ladenpreises in Europa wieder an sie zurückfließt. Außerdem müssen die Kooperativen Auflagen bezüglich der demokratischen Unternehmensführung, der Transparenz und der nachhaltigen regionalen Entwicklung erfüllen.

Verliehen wird das Gütesiegel von der Organisation Fair Trade International, die neben dem Zertifizierungsprozess auch die regelmäßige Kontrolle der Einhaltung der Auflagen übernimmt. Die für die Überwachung anfallenden Kosten in Höhe von 1.000 bis 3.500 US-Dollar jährlich (abhängig von der Betriebsgröße), werden von der mauritischen Regierung derzeit teilweise übernommen. Im Gegenzug müssen die Farmer einen Teil ihres Gewinnes in die Förderung von sozialen Projekten oder rurale Entwicklungsprojekte stecken, wodurch auch die regionale Bindung der Unternehmen gestärkt wird.

Einige Bauern beklagen zwar, dass der Zertifizierungsprozess zu bürokratisch und kompliziert sei, die Mehrheit nimmt diesen Aufwand aber dennoch in Kauf, da sich eine deutliche Gewinnsteigerung erzielen lässt und darüber hinaus auch das fragile Ökosystem auf der kleinen Insel im Indischen Ozean entlastet wird. Der für Unternehmen und Kooperativen zuständige Minister, Jim Seetaram, möchte nun auch den fairen Handel von anderen Produkten, wie zum Beispiel Litschis, Blumen, Limetten und Honig, fördern.


Mit fair gehandelten Produkten, die den Produzenten ein Auskommen ermöglichen, nimmt auch Gummersbach an der „Fairtrade-Kampagne“ teil – Grotenbach-Schülerin Nina Radzwill entwirft Logo.

Vor Ort den Bogen zu den Problemen in der Welt schlagen – das hat sich der Weltladen Gummersbach zum Ziel gesetzt. Und das versucht man mit der Marke „Fairtrade“ umzusetzen. Bauern in Afrika, Lateinamerika und Asien erhalten durch Fairtrade-Standards einen Mindestpreis für die gehandelten Produkte, der über dem jeweiligen Weltmarktpreis angesetzt ist. Damit soll den Produzenten ein höheres und verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel ermöglicht werden. Der Gummersbacher Rat beschloss im vergangenem Jahr bei dieser Aktion mitzuwirken und eine „Fairtrade Stadt“ zu werden.

Seitdem versucht man, die erforderlichen Kriterien zu erfüllen: Eine lokale Steuerungsgruppe wurde gebildet. In den Einzelhandelgeschäften werden gesiegelte Produkte aus fairem Handel angeboten und in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen Bildungsaktivitäten zum Thema „fairer Handel“ durchgeführt. Schließlich ist auch eine Berichterstattung in den örtlichen Medien vorgesehen.

In Gummersbach hat sich schon einiges getan. Immer mehr Kirchen, Einzelhändler und weitere Organisationen bieten fair gehandelte Produkte an oder setzten sich wenigstens mit dem Thema auseinander. Dazu zählt auch das städtische Gymnasium Grotenbach. So hat die Gymnasiastin Nina Radzwill ein Logo extra für die Fair-Trade-Kampagne erstellt. Von zehn Entwürfen aus zwei Jahrgängen gewann sie eine Auszeichnung der Fair Trade Steuerungsgruppe und wurde auch vom stellvertretenden Gummersbacher Bürgermeister Jürgen Marquardt gewürdigt. „Mit Fairtrade schaffen wir ein Stückchen mehr Gerechtigkeit auf der Welt“, so Ingrid Dreher, 1. Vorsitzende des Weltladens in Gummersbach. Fairtrade-Produkte bekommen Interessenten zum Beispiel in Derschlag beim Café Müller, der Holländer Diele, in der Mensa an der Fachhochschule, im Grotenbach-Gymnasium und natürlichen in den Weltläden in Gummersbach und Derschlag.